Denkformen von Mann und Frau


Inhalt

1. Intelligenz bei Mann und Frau

2. Denkkategorien

3. Denkvorgänge im kindlichen Spiel

4. Körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau

Die höhere Lebenserwartung der Frau

5. Die Schönheit

6. Die Geschicklichkeit

7. Zur Triebtheorie

8. Nahrungstrieb und Sexualität

9. Die Aktivität

10. Aggression

11. Die Aggression beim Mann

12. Die Aggressionshemmung bei der Frau

13. Reiten und Forschen, die innerseelische Gebundenheit

14. Was kann man gegen die Aggressivität in der Gesellschaft tun?

15. Die Risikobereitschaft

16. Die Stellung der Frau in der Evolution

17. Die Umstellungsfähigkeit der Frau

18. Die Frau in der Ehe

19. Die Frau als Mutter

20. Die Wertung "weiblicher" Fähigkeiten

20. Die Wertung "weiblicher" Fähigkeiten


Seit Jahrhunderten versuchen die Männer, das Wesen der Frau zu ergründen. Das kann ihnen jedoch nicht gelingen, da sie von falschen Voraussetzungen ausgehen. Sie halten an ihrer Meinung fest, daß die Frau im Grunde die gleichen, allerdings etwas reduzierten, Fähigkeiten habe wie der Mann, "als welcher der eigentliche Mensch ist" (Schopenhauer). Wo sie Unterschiede finden, halten sie diese für Abschwächung männlicher Vorzüge. Daß die Frau geistige Qualitäten von grundsätzlich anderer Natur haben könnte, darauf sind die Männer bisher nicht verfallen.

Die Frauen allerdings auch nicht. Denn hat eine Frau viel gelernt, studiert und nachgedacht, dann weiß auch sie, daß das logische, exakte, gefühlsfreie Denken des Mannes durch nichts übertroffen werden kann und ganz bestimmt nicht durch etwas Weibliches.

Das logische Denken führt zu einem eindeutigen Ziel. Mit einfachen, klaren, leicht nachvollziehbaren Schritten verfolgt es eine klar umrissene Gedankenbahn. Es beschränkt sich auf eine einzige Art des Schließens und des Vorwärtsschreitens, auf die logische. Hierin liegt seine Stärke und deshalb ist es so zu gut lehren. Hier trifft Goethes Wort zu: "In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister."

Die Logik enthält auch ein starkes aggressives Element: Alles, was sie nicht vertritt, bekämpft sie. Ein Wissensgebiet kann durch logische Durchdringung an objektiver Richtigkeit sogar verlieren, wenn nämlich wichtige Teilaspekte ausgeschlossen werden, die in einem gewissen Gegensatz zu anderen Teilaspekten stehen. Es gewinnt aber dadurch an Einfachheit und Lehrbarkeit.

Das weibliche Denken ist komplizierter als die Logik und im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Beziehungen auch leistungsfähiger, wegen seiner Kompliziertheit jedoch kaum zu lehren und nur schwer durchschaubar. Die unausweichliche Lösung, die die Männer so lieben, akzeptiert es nicht gern.

Die Frau versteht das logische Denken des Mannes gut, denn Teile ihres Denkens gehorchen denselben Gesetzen, der Mann aber sieht sich völlig außerstande, das Denken der Frau zu verstehen, einige ihrer Denkstrukturen sind ihm ganz und gar fremd. Er findet sie bei sich nicht, und er findet in seinen Denkweisen auch nichts Ähnliches, nichts was vergleichbar wäre mit der innerseelischen Gebundenheit, der Tötungs- und Verletzungshemmung und mit dem steten und selbstverständlichen Vorrang, den die Frau der Partnerbindung und dem Wohl des Menschen einräumt.

Nun hätte der Mann zwar die Möglichkeit, sich erklären zu lassen, was das ist, das ihm fehlt, aber er will auf keinen Fall wahrhaben, daß ihm etwas fehlt. Er macht sich lieber die Mühe, in komplizierten Theorien darzulegen, daß es die Frau ist, die einen Mangel leidet, und versucht so, die für ihn beschämende Tatsachen zu vertuschen.

Das berühmte Nietzschewort: "Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!" wird so oft und gern zitiert, weil es eine tiefe Wahrheit birgt: nur durch seine Muskeln ist der Mann einer Frau in der Beziehung evtl. gewachsen; auf seine Worte oder seinen Verstand kann er jedenfalls nicht verweisen, denn hiermit ist er ihr hoffnungslos unterlegen, wenn es um Liebe, Treue, Moral, Verständnis, Toleranz, Mitgefühl oder sonstige Werte geht, die in Beziehungen zwischen Menschen wichtig sind.

Im folgenden werde ich erklären, warum der Mann sich so konstant weigert, die geistigen Fähigkeiten der Frau zu bemerken und anzuerkennen.

Betrachten wir ein hübsches, bescheidenes junges Mädchen! Ist sie nicht bezaubernd, wenn sie nach einem Lob errötet? Kann es unter Menschen etwas Vollendeteres geben? Nach welcher weiteren Vervollkommnung soll sie streben? Sie ist freundlich und anpassungsfähig, lernt verhältnismäßig willig, was in der Schule verlangt wird, und in der Familie und bei Freunden hilft sie gerne. Bald wird sie einige reizende Kinder haben, und nicht der Schatten eines Zweifels wird bestehen, daß es wirklich ihre eigenen Kinder sind. Ich räume ein, daß nicht jedes junge Mädchen diesem Ideal entspricht, aber viele kommen ihm doch recht nahe.

Was haben dagegen junge Männer zu bieten? Muskeln und etwas Verstand, und beides mißbrauchen sie in höchst unliebenswürdiger Weise. Sie sind widerspenstig, unfreundlich, aggressiv, verweigern in der Schule oft die Mitarbeit und zeigen zu Hause wenig Hilfsbereitschaft. Ihren Familien bereiten sie Sorgen, indem sie Unfälle verursachen oder sich in Unfälle verwickeln lassen. Sie suchen Händel, lassen ihre Motoren heulen, versuchen, sich durch kriminelle Handlungen hervorzutun und nehmen auf nichts und niemanden Rücksicht. Später können sie, wenn nicht Blutuntersuchungen zur Klärung stattgefunden haben, nie ganz sicher wissen, ob sie wirklich Vater des Kindes sind, für das sie sorgen.

Aus dieser unterschiedlichen Lebenssituation heraus ist es nur allzuverständlich, daß junge Mädchen zufrieden und fröhlich sind, daß sie kichern und sich des Lebens freuen, während junge Männer unzufrieden und mürrisch in die Welt blicken und ihrer Persönlichkeit und ihren Taten entsprechend ein sehr schlechtes Selbstbewußtsein haben.

Dieses mit Recht so schlechte Selbstbewußtsein treibt die Männer ihr Leben lang zu den unsinnigsten Unternehmungen. Da sie meist nicht willens und im allgemeinen auch nicht fähig sind, etwas Gutes und Nützliches zu vollbringen, suchen sie stets das Ungewöhnliche. Wenn sie schon nicht liebenswert sind, möchten sie wenigstens auffallen, gleich wie. Sie protzen mit ihren Muskeln, versuchen ständig sich hervorzutun und wollen immer und immer bewundert werden.

Das Leben der Männer wird also wesentlich mitbestimmt durch den Kampf gegen ihre Minderwertigkeitsgefühle. Vier Methoden haben sich vor allem bewährt:

1. Sich bewundern lassen: Diese Aufgabe übernehmen die Frauen gerne. Sie tun es aus Mitleid, um die Leistungsfähigkeit der Männer zu erhalten und zu steigern, um die Männer freundlich zu stimmen und in Geberlaune zu versetzen.

2. Andere verachten: Je mehr man andere verachtet, umso besser glaubt man von sich selbst denken zu dürfen. Will man nun aber verachten, so darf man auf keinen Fall zugeben, etwas nicht verstanden zu haben, sondern muß das Nichtverstandene als minderwertig hinstellen. Genau das tun die Männer mit den Frauen. Wenn Männer über Frauen z.B. das Folgende sagen: (Goethe) "Weiber scheinen keiner Idee fähig, - kommen mir sämtlich vor wie die Franzosen, - nehmen überhaupt von den Männern mehr als daß sie geben." (Weininger) "So gemein Eifersucht und Rachedurst sind, es steckt in beiden ein Großes, dessen die Frauen, wie aller Größe, im Guten oder im Bösen, unfähig sind." (Nietzsche) "Die Frauen sind so geartet, daß alle Wahrheit (in Bezug auf Mann, Liebe, Kind, Gesellschaft, Lebensziel) ihnen Ekel macht - und daß sie sich an jedem zu rächen suchen, welcher ihnen das Auge öffnet." (Schopenhauer) "Je edler und vollkommener eine Sache ist, desto später und langsamer gelangt sie zu Reife. Der Mann erlangt die Reife seiner Vernunft und Geisteskräfte kaum vor dem achtundzwanzigsten Jahre; das Weib mit dem achzehnten. Aber es ist auch eine Vernunft danach: eine gar knapp gemessene." (Volksmund) "Lange Haare, kurzer Sinn" (Volksmund), dann sind solche Äußerungen nicht durch irgendwelche Tatsachen begründet, die bei der Frau liegen, sondern einzig durch das Minderwertigkeitsgefühl des Mannes, der so spricht. Er muß, um eine erträgliche Meinung von sich selbst zu gewinnen, die Frau in dieser Weise abwerten. Und die Frau stimmt zu - siehe Punkt 1.

3. Etwas Besonderes leisten: Dabei kommt es nicht auf einen bestimmten Zweck oder auf Nützlichkeit an, sondern auf das Auffallen, auf die Sensation. Wie jeder weiß, treiben die Männer dies bis zum Exzeß.

4. Durch Gewalt Anerkennung erzwingen: Schlagen (vielleicht auch nur mit der Faust auf den Tisch), Töten, Angst verbreiten, Macht ausüben. Das sind Methoden, die Männer oft und gern anwenden, um sich die Anerkennung zu erzwingen, die ihnen nicht gebührt und freiwillig nicht gegeben wird. Zeitlebens streben sie mit aller Kraft ihres Herzens nach Macht. Bei der Befriedigung ihrer ständigen Machtgier kommt ihnen sehr zustatten, daß das Leid anderer sie nicht unangenehm berührt. Vor keinem Unglück, Krieg, Mord oder dergleichen schreckt der Mann zurück, wenn er der Welt beweisen will, daß er der Größte ist und seine Gedanken richtig sind.

Nun bin ich nicht der Ansicht, daß all dies allein durch das schlechte Selbstbewußtsein der Männer bedingt ist, sondern es spielen noch zahlreiche andere Komponenten mit. Wenn man das Für und Wider einer Sache abwägt, sprechen fast immer einige oder viele Gründe dafür und auch einige dagegen. Selten tut man etwas aus einem einzigen Grund. Der Wunsch, sich selbst als etwas Besseres darzustellen oder sich eine höhere Position zu verschaffen, ist aber oft im Spiel, wenn ein Mann eine Entscheidung trifft, und Rücksicht auf andere Menschen dabei vermissen läßt.

Frauen streben die offensichtliche, mit Gewalt verbundene Macht nur selten an. Ihnen genügt die weniger offene Macht, die sie als Erzieherin oder Helferin sowieso besitzen und die sie oft genug mit zwiespältigen Gefühlen betrachten. Sie setzen sich immer wieder mit der Frage auseinander, wie man den Schaden vermeiden oder verringern kann, den Machtausübung doch anrichtet.

Alle Menschen, Männer wie Frauen, sollten jedoch gründlich darüber nachdenken, ob es nicht besser wäre, den Frauen in unserer Gesellschaft mehr Macht einzuräumen. Die Menschen leben heute so dichtgedrängt, daß aggressive Verhaltensweisen immer mehr und in erschreckendem Ausmaß zunehmen, es wurden so fürchterliche Waffen erfunden, daß ein weiterer Weltkrieg die Menschheit vermutlich auslöschen würde. Es war noch nie so wichtig wie heute, die Menschen zu friedlicherem Verhalten zu bewegen und viele junge wie ältere Menschen haben das auch erkannt. Für mich gibt es gar keinen Zweifel daran, daß ein größerer Einfluß der Frau in der Gesellschaft, besonders auch auf den Unterrichtsstoff der Schulen, die Aggressivität vermindern würde und es kein zweites ebenso wirksames Mittel gibt, dieses Ziel zu erreichen.

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